Die Rekrutenschule

Teilnehmer: Gregor Kramer (GK) und Kerim Mechti (KM), beide arbeiten beim Kreiskommando Thurgau. Die beiden Interviewten werden unter den Initialen namentlich im Text genannt, wobei Antworten auch gemeinsam beantwortet wurden/werden.

Die Rekrutenschule

Für unseren Magazin-Artikel wären wir froh, wenn Sie den typischen Ablauf eines Militärdienstes in einigen Sätzen zusammenfassen können. Vom Orientierungstag über die Rekrutierung (RS) bis hin zum Wiederholungskurs (WK). Was erwartet die Mittelschüler*innen?
Team: Die Rekrutenschule stellt sich aus folgenden Eckpfeilern zusammen: Allgemeine Grundausbildung, Fachausbildung & Verbandsausbildung. Je nach Schule/Ort kann die Dauer der einzelnen Ausbildungszeit minimal abweichen. Grosse Bedeutung nimmt die Kameradschaft ein, so rückt man als Einzelner ein und entwickelt sich zum Team. Grundsätzlich bestehen die ersten 12 Wochen aus der Einarbeitung auf Waffen und (funktionsspezifische) Geräte, wobei bis zum Schluss der Rekrutenschule die Kader geschult werden. Dabei verfolgt die Schweizer Armee den Slogan “Vom Zivilen zum Soldaten” in 18 Wochen, sprich man bewegt sich hin zu einem Teamplayer.
Vor der Rekrutschenschule wird der zukünftige Angehörige der Armee (AdA) nach der Prüfung seiner Fähigkeiten an der Rekrutierung/Aushebung mit seiner späteren Funktion in der Armee verbunden. Früher wurde hier ein grosser Fokus auf die Armee und nicht auf den AdA gelegt, wobei sich dies heutzutage gedreht hat.
Schon am Orientierungstag (welcher vor der Rekrutierung stattfindet) wird versucht herauszufinden, was der künftige AdA für eine Person ist, wo er seine Fähigkeiten hat, um ihn so auf die zukünftige Funktion bestens vorzubereiten. So könnte ein Techniker im Cyberbataillon Unterschlupf finden oder ein Koch in der Küche. Hier versucht die Schweizer Armee die Verständlichkeit für Personen, sowie den Zeitpunkt der Funktionsverteilung voranzutreiben.
Nebst der persönlichen Entwicklung bietet die Armee auch die Chance, neue Fähigkeiten, Gegenden und technische Geräte kennenzulernen, zu welchen die AdAs so nicht kommen würden. Die Armee ist moderner und kulanter gegenüber den AdAs geworden, so gibt es z.B. einen grösseren Spielraum am Wochenende.

In welcher Hinsicht ist die Rekrutenschule eine Chance für Mittelschüler*innen?
Team:
Dies muss am Ende des Tages jeder mit sich selbst beurteilen. Doch bestimmt kann man in der Armee fachliche Kompetenzen erlernen, z.B. als Motorfahrer, kann zivil das Lkw-Fahren gelernt werden.

Welche drei Fähigkeiten scheinen Rekruten aus ihrer RS mitnehmen zu können?
Team:
Verantwortungsbewusstsein, Disziplin, Teamfähigkeit und Kameradschaft.

Inwiefern ist die RS heute noch eine “Lebensschule”? Wie hat sich dies über die letzten Jahrzehnte geändert?
GK:
Der Begriff “Lebensschule” hat sich in meinen Augen gar nicht geändert. Für mich bedeutet es, die eigenen Grenzen kennenzulernen, nicht willige Dinge einfach zu erledigen, mit weniger Komfort klarzukommen oder mit anderen Menschen plötzlich im gleichen Zimmer zu schlafen. Man lernt als Rekrut zu schätzen, was man zuhause für selbstverständlich erachtet.
KM: Da ich im Jahre 2009 meine RS absolvierte, bin ich das Bindeglied zwischen jung und alt. In der RS macht man seine ersten Grenzerfahrungen und verspürt eine gegenseitige Unterstützung auf einem anderen Level als im Zivilen! Man ist sich als Rekrut nicht zu schade, sich gegenseitig zu helfen. Das Militär half mir, mich selbst zu reflektieren, Fehler einzugestehen und mit dieser Haltung etwas erreichen zu können. Die kleinen Dinge während des militärischen Alltages wie “Bruchsch chli schoggi?” vom Kameraden, machten den Dienst leichter und unterhaltsamer. Selbstverständlich wird der Durchhaltewillen gestärkt, man lernt etwas fertig zu machen und durchzuziehen, auch wenn es nicht immer die schönste Beschäftigung ist.

Welche Vorteile und Nachteile haben Gymnasiasten gegenüber Lehrabgängern in einer RS?
Team:
Ganz wichtig ist, im Militär sind alle gleich! Vielleicht hat jemand einen Vorteil oder Nachteil, falls er einen anderen akademischen Hintergrund hat als ein anderer, doch bereits in der Aushebung wird sehr spezifisch auf die einzelnen Leistungsanforderungen eingegangen, wodurch dies eher seltene Fälle sind.

Welche Tipps & Tricks geben Sie Neu-Eintretenden Rekruten mit?
Team:
Kampfstiefel einlaufen (lachen), grundsätzlich sehr offen sein, die Herausforderung annehmen und am Ende des Tages über die eigenen Leistungen zufrieden zu sein und auch mal über sich selber oder zusammen lachen können! Denn alle Beteiligten sitzen im gleichen Boot und fühlen sich gleich. Spannend ist auch immer wieder, wenn in den ersten Tagen die Hülle fällt, nachdem alle AdA die gleiche Uniform anhaben. Rekruten sollten neugierig sein und trotzdem Entscheidungen auch kritisch ansehen, damit man als Team gemeinsam wächst.

Kerim Mechti
Gregor Kramer
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